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Mond und Angeln: Was belegt ist und was nicht

Beißen Fische bei Vollmond besser? Was Studien über Mondphase und Fangerfolg zeigen, warum Solunar-Tabellen wenig taugen und wann der Mond doch zählt.

Vollmond, Neumond, Solunar-Zeiten: Der Mond hat in vielen Angelkalendern einen festen Platz. Manche Angler planen ihre Nachtansitze ausschließlich danach. Wie viel davon hält einer Überprüfung stand?

Wo es Belege gibt: der Hecht

Für eine heimische Art gibt es gute Daten. In zwei kontrollierten Ganzsee-Experimenten lagen die Fangraten beim Hecht um Voll- und Neumond höher als in den Wochen dazwischen (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Beide Studien haben dabei Wind, Wassertemperatur und Licht mit herausgerechnet. Der Effekt ist also nicht einfach ein Wettereffekt.

Wichtig ist die Größenordnung: Der Mond war einer von mehreren Faktoren, und nicht der stärkste. Wind, kühles Wasser und Dämmerung zählten mindestens genauso.

Wo es keine Belege gibt

Für die meisten anderen Arten, die BiteButler abdeckt, gibt es keine Studien, die einen Mondeffekt auf den Fangerfolg zeigen. Das heißt nicht, dass es keinen gibt, sondern dass niemand ihn sauber gemessen hat. Anekdoten von Nächten mit Vollmond und vielen Bissen gibt es reichlich. Anekdoten von Vollmondnächten ohne Biss erzählt man seltener.

Solunar-Tabellen

Solunar-Tabellen leiten aus dem Stand des Mondes „Major“ und „Minor“ Beißzeiten ab, wenn der Mond im Zenit, im Nadir oder am Horizont steht. Die Idee stammt aus den 1920er-Jahren. Kontrollierte Studien, die solche Zeitfenster für europäische Süßwasserfische bestätigen, sind uns nicht bekannt. Was sich gut belegen lässt, sind die Dämmerungen: Viele Raubfische jagen am stärksten, wenn das Licht wechselt. Diese Zeiten hängen an der Sonne, nicht am Mond.

Wo der Mond trotzdem zählt

Mondlicht ändert das Licht unter Wasser, und Licht steuert das Jagdverhalten vieler Arten:

  • Der Zander ist lichtscheu und hat eine Netzhaut für die Nacht. Wie hell die Nacht ist, beeinflusst, wo und wann er jagt.
  • Aal und Wels jagen vor allem mit Geruch, Barteln und Seitenlinie. Für sie ist das Mondlicht zweitrangig.
  • Bei Neumond zählt der Kontrast: Eine dunkle Köder-Silhouette ist gegen den Nachthimmel besser zu sehen als jede Farbe.

An der Küste spielt der Mond über die Gezeiten eine echte Rolle. Bei Voll- und Neumond sind die Springtiden am stärksten, und Strömung bewegt Nahrung. Für Wattenmeer-Arten wie Plattfisch und Wolfsbarsch ist die Tide oft wichtiger als jede Uhrzeit.

So rechnet BiteButler mit dem Mond

BiteButler berechnet die Mondphase für jede Stunde. In die Prognose geht sie aber nur dort ein, wo es Studien gibt, derzeit beim Hecht, und auch da mit geringem Gewicht. Bei allen anderen Arten zeigt die App die Mondphase zur Information und schreibt dazu, dass sie nicht bewertet wird.

Alle Voll- und Neumondtermine mit Uhrzeit findest du im Mondkalender.

Quellen

  • Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fisheries Research 105.
  • Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fisheries Research 186.
  • Ali, M. A., Ryder, R. A. & Anctil, M. (1977). Photoreceptors and visual pigments as related to behavioral responses and preferred habitats of perches and pikeperches. J. Fish. Res. Board Can. 34.

Häufige Fragen

Beißen Fische bei Vollmond besser?

Für den Hecht zeigen zwei Ganzsee-Experimente höhere Fangraten um Voll- und Neumond. Für die meisten anderen Arten fehlen solche Daten.

Taugen Solunar-Tabellen etwas?

Kontrollierte Studien, die solche Zeitfenster für europäische Süßwasserfische bestätigen, sind uns nicht bekannt. Dämmerungszeiten sind deutlich besser belegt.

Welche Köderfarbe nachts bei Neumond?

Bei Neumond zählt Kontrast. Eine dunkle Silhouette ist gegen den helleren Nachthimmel besser zu sehen als jede Farbe.

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