Der Hecht ist der am besten untersuchte Raubfisch Europas. Telemetrie zeigt, wann er sich bewegt, kontrollierte Fangexperimente zeigen, wann er beißt. Hier ist zusammengefasst, was man daraus fürs Angeln ableiten kann.
Wassertemperatur: 10 bis 20 °C
Am aktivsten ist der Hecht bei 10 bis 20 °C Wassertemperatur. Er frisst aber schon ab knapp über 0 °C und bleibt den ganzen Winter fangbar. Über etwa 21 °C zieht er sich ins kühle Tiefenwasser zurück. Große Hechte stehen im Sommer an der Sprungschicht bei 16 bis 21 °C, kleine bleiben im Seerosen-Cover (Pierce et al. 2013).
In den Fangexperimenten lagen die Fangraten bei kühlem Wasser höher (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Ein warmer Sommertag im Flachen ist also keine Hechtzeit. Ein kühler Herbstmorgen schon.
Tageszeit: Dämmerung im Sommer, Mittag im Winter
Im Sommer hat der Hecht Aktivitätsspitzen in der Morgen- und Abenddämmerung und ist tagsüber deutlich aktiver als nachts. Im kalten Wasser ändert sich das Muster: Unter etwa 8 °C ist er gleichmäßig tagaktiv, die wärmeren Mittagsstunden sind dann oft die besten. Küstenhechte steigen an sonnigen Tagen sogar gezielt ins warme Oberflächenwasser, um sich aufzuwärmen (Nordahl et al. 2019).
Die Dämmerungszeiten für deinen Ort zeigt Beißzeiten heute.
Wind: einer der stärksten Faktoren
Kräftiger Wind gehört beim Hecht zu den deutlichsten Effekten überhaupt. Wind trübt das Ufer an und treibt Nahrung und Kleinfische ans angeblasene Ufer. Wer an einem windigen Tag die angeblasene Seite befischt, steht oft richtig.
Luftdruck und Mond
Der Luftdruck hatte in den Experimenten keinen Effekt. Mehr dazu im Beitrag Luftdruck und Beißverhalten.
Der Mond dagegen schon: Um Voll- und Neumond lagen die Fangraten höher. Der Hecht ist damit die einzige Art in BiteButler, bei der die Mondphase in die Prognose eingeht. Die Termine stehen im Mondkalender.
Jahreszeit: Frühjahr nach der Schonzeit und Herbst
Gelaicht wird ab etwa 7 °C im Februar bis April, in dieser Zeit gilt meist die Schonzeit (typisch 15. Februar bis 30. April, je nach Bundesland verschieden). Danach sind die Hechte hungrig. Im Herbst, von September bis November, fressen sie sich Reserven für den Winter an. Diese beiden Phasen sind die klassischen Hechtzeiten.
Im kalten Wasser verdaut der Hecht langsam: Bei 20 °C frisst er etwa jeden zweiten Tag, bei 10 °C nur alle drei bis vier Tage (Diana 1979). Dafür nimmt er dann gern große Happen. Größere Köder im Herbst und Winter sind deshalb kein Mythos.
Köder und Farbe
- Kunstköder 8 bis 23 cm, im kalten Wasser eher am oberen Ende
- Köderfische 10 bis 25 cm
- Farben: Chartreuse, Naturdekor, Weiß. Der Hecht sieht Grün, Rot und Orange gut, Blau und UV kaum. Mehr dazu unter Welche Köderfarbe?
Hechte lernen. In befischten Gewässern werden sie köderscheu, und das erklärt einen guten Teil der Unterschiede in den Fangraten (Roser et al. 2024). Ein Köder, den der Hecht schon zehnmal gesehen hat, fängt schlechter als ein neuer.
Wo er steht
Lauerjäger an Struktur: Krautkante, Schilfgürtel, Seerosenfeld, Totholz, Scharkante. Im Sommer stehen die großen Hechte tiefer, im Frühjahr und Herbst im Flachen.
Quellen
- Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fisheries Research 105.
- Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fisheries Research 186.
- Pierce, R. B. et al. (2013). Depths and thermal habitat used by large versus small northern pike in three Minnesota lakes. Trans. Am. Fish. Soc. 142.
- Nordahl, O. et al. (2019). Vertical movements of coastal pike, on the role of sun basking. Ecology of Freshwater Fish 28.
- Diana, J. S. (1979). The feeding pattern and daily ration of a top carnivore, the northern pike. Canadian Journal of Zoology 57.
- Roser, P. et al. (2024). Getting scarce and lure shy: impacts of recreational fishing on coastal northern pike. Fisheries Management and Ecology.