Wind ist für viele Angler ein Grund, zu Hause zu bleiben. Für einige Raubfische ist er dagegen einer der besten Tage im Monat. Entscheidend ist, an welchem Ufer du stehst und welche Art du suchst.
Was Wind im Wasser bewegt
Wind schiebt das Oberflächenwasser vor sich her. Am Ufer, auf das er zuweht, kommt dieses Wasser an, mit allem, was darin treibt: Plankton, Insekten, aufgewirbeltes Material und die Kleinfische, die davon leben. Die Wellen trüben das Flachwasser an diesem Ufer zusätzlich an.
Unter Anglern wird dieses Ufer oft Luvufer genannt. Nautisch ist es genau umgekehrt: Lee ist die Seite, zu der der Wind hinweht, das angeblasene Ufer ist also das Leeufer. Eindeutiger ist deshalb angeblasenes Ufer: das Ufer, an dem dir der Wind ins Gesicht weht, wenn du aufs Wasser schaust. Die gegenüberliegende Seite, von der der Wind herkommt, ist das windgeschützte Ufer.
Für Räuber hat das angeblasene Ufer zwei Vorteile: Die Beute ist dort, und das unruhige, trübere Wasser macht sie weniger sichtbar für die Beutefische.
Der Hecht: Wind als einer der stärksten Faktoren
Für den Hecht gibt es die besten Daten. In zwei kontrollierten Ganzsee-Experimenten lagen die Fangraten bei kräftigem Wind höher (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Wind gehörte dort zu den deutlichsten Effekten überhaupt, neben kühlem Wasser, der Dämmerung und den Tagen um Voll- und Neumond. Der Luftdruck hatte dagegen keinen Effekt, mehr dazu unter Luftdruck und Beißverhalten.
Wer an einem windigen Tag auf Hecht geht, befischt deshalb die angeblasene Krautkante, den Schilfgürtel oder die Scharkante auf dieser Seite. Weitere Details stehen im Beitrag Wann beißt der Hecht?.
Welche Arten von Wind profitieren
Nicht jede Art reagiert gleich. Die folgende Tabelle zeigt, wie stark BiteButler den Wind je Art gewichtet:
| Art | Einfluss von Wind | Bemerkung |
|---|---|---|
| Hecht | sehr stark | durch Fangexperimente belegt |
| Karpfen | stark | |
| Meerforelle | stark | Wind und Oberflächentemperatur erklären die Aktivität besser als der Luftdruck |
| Wolfsbarsch | stark | jagt in aufgewühltem Wasser an Brandungskanten |
| Zander, Barsch, Dorsch | deutlich | |
| Brasse, Regenbogenforelle, Rapfen, Plattfisch | mittel | |
| Schleie, Rotauge, Döbel, Makrele, Hornhecht | mäßig | |
| Wels, Aal, Rotfeder, Hering | gering | |
| Barbe, Bachforelle, Quappe, Äsche | kaum | im Fluss zählen Strömung und Wasserstand mehr |
Beim Hecht ist der Effekt durch Fangexperimente gestützt. Für die meisten anderen Arten fehlen vergleichbare Studien. Plausibel ist: Räuber, die Kleinfischen folgen, und Arten, die im Flachwasser fressen, haben mehr vom angeblasenen Ufer als Grundfische im Fluss.
Küste: Meerforelle und Wolfsbarsch
An der Küste wirkt Wind ähnlich, nur größer. Für die Meerforelle zeigen Telemetriestudien, dass Oberflächentemperatur und Wind ihre Aktivität besser erklären als der Luftdruck (Kristensen et al. 2018). Sie hält sich in der Meeresphase zu großen Teilen im flachen Wasser auf, und auflandiger Wind bringt dort Bewegung und Trübung ins Wasser. Wann sich die Küste lohnt, steht im Beitrag Meerforelle an der Küste.
Der Wolfsbarsch hält sich an Stellen mit starker Tidenströmung, an Buhnen und Brandungskanten auf und jagt bevorzugt in aufgewühltem Wasser, in der Dämmerung und nachts. Ein Tag mit Brandung ist für ihn eher günstig.
Bei starkem auflandigem Wind ist an der Küste allerdings Vorsicht nötig, vor allem auf Molen und beim Watfischen.
Wann das windgeschützte Ufer die bessere Wahl ist
Das angeblasene Ufer ist kein Gesetz. Es gibt gute Gründe für die windgeschützte Seite:
- Sicherheit und Technik: Bei Sturm lässt sich am angeblasenen Ufer kaum noch sauber werfen oder Grundkontakt halten. Ein Fisch, den du nicht präsentieren kannst, beißt auch nicht.
- Kaltes Wasser: Hält kräftiger Wind lange an, kann an dem Ufer, von dem der Wind wegweht, kühleres Wasser aus der Tiefe nachströmen. Im Herbst und Winter ist das angeblasene Ufer meist trotzdem die erste Wahl, weil sich dort das wärmere Oberflächenwasser sammelt.
- Sichtjäger im klaren Wasser: Arten, die gute Sicht brauchen, wie Äsche oder Hornhecht, haben von aufgewühltem, trübem Wasser wenig.
Tipp: Schau vor dem Angeln, aus welcher Richtung der Wind seit dem Vortag weht. Ein Wind, der schon mehrere Stunden aus derselben Richtung kommt, hat das Wasser bereits verschoben. Welches Ufer bei deiner Windrichtung angeblasen wird, zeigt das Tool Wind und Ufer.
Wind kommt selten allein
Kräftiger Wind kommt oft mit einer Wetterfront, mit Wolken und manchmal mit Regen. Wolken dämpfen das Licht, und lichtscheue Arten wie der Zander jagen dann länger in den Tag hinein. Eine Kaltfront mit deutlicher Abkühlung kann die Aktivität dagegen ein bis zwei Tage drücken, beim Barsch stärker als beim Hecht. Mehr zu Regen und steigendem Wasser steht unter Angeln bei Regen, zu Trübung unter Angeln bei trübem Wasser.
So rechnet BiteButler damit
BiteButler berechnet für jede Art und jede Stunde einen Aktivitätsindex von 0 bis 100. Der Wind geht dabei je Art unterschiedlich stark ein: beim Hecht sehr stark, bei Äsche oder Barbe kaum. Den Luftdruck zeigt die App an, gewichtet seine Tendenz aber gering. Eine Front mit Abkühlung zählt mehr.
Für Premium-Nutzer erstellt BiteButler zusätzlich für jede Stunde einen Plan mit Wo, Tiefe, Methode, Köder und Wie. Details stehen unter Preise. Wind, Dämmerung und Drucktrend für deinen Ort findest du kostenlos unter Beißzeiten heute, die passenden Arten zur Wassertemperatur unter Welche Fische beißen.
Quellen
- Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fish. Res. 105.
- Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fish. Res. 186.
- Kristensen, M. L. et al. (2018). Temperature and depth preferences of adult sea trout during the marine migration phase. Mar. Ecol. Prog. Ser. 599.