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Wassertemperatur und Beißverhalten: Die wichtigste Größe beim Angeln

Warum die Wassertemperatur das Beißverhalten stärker bestimmt als das Wetter: Temperaturbereiche aller 24 Arten, Fressintervalle, Folgen von Kälte und Hitze.

Wind, Mond, Luftdruck: Über vieles wird am Wasser diskutiert. Die Größe, die das Beißverhalten am stärksten bestimmt, ist aber die Wassertemperatur. Sie entscheidet, wie schnell ein Fisch verdaut, wie oft er frisst und wo er steht.

Fische sind wechselwarm

Fische haben keine eigene Heizung. Ihre Körpertemperatur folgt dem Wasser, und mit ihr laufen Stoffwechsel und Verdauung schneller oder langsamer. Wie schnell sich der Magen leert, hängt deshalb von der Temperatur ab (Jobling 1981).

Was das bedeutet, zeigt der Hecht: Bei 20 °C frisst er etwa jeden zweiten Tag, bei 10 °C nur alle drei bis vier Tage (Diana 1979). Ein satter Hecht jagt kaum. Im kalten Wasser ist die Chance, einen hungrigen Hecht zu treffen, also deutlich kleiner.

Fressintervalle: große und kleine Mahlzeiten

Arten unterscheiden sich stark darin, wie sie fressen:

  • Große, seltene Mahlzeiten: Hecht und Wels. Der Wels frisst nachts große Portionen und verdaut tagelang, bei 20 °C etwa alle zwei Tage, im kühlen Wasser nur alle paar Tage (Carol et al. 2007). Der Dorsch nimmt große Fischmahlzeiten und frisst im kalten Wasser etwa alle zwei bis drei Tage (dos Santos & Jobling 1991).
  • Mittlere Mahlzeiten: Der Zander frisst im warmen Wasser etwa täglich mittelgroße Fische (Koed 2001).
  • Kleine, häufige Mahlzeiten: Der Barsch nimmt kleine Happen mehrmals am Tag, sein Magen ist in Stunden leer (Persson 1981). Die Bachforelle frisst fortlaufend aus der Drift, eine Mahlzeit ist bei 10 °C in rund einem Tag verdaut (Elliott 1972). Der Döbel frisst als Allesfresser den ganzen Tag über kleine Mengen (Hellawell 1971).

Für dich als Angler heißt das: Bei Arten mit kleinen Mahlzeiten gibt es auch im kühlen Wasser regelmäßig Fressphasen. Bei Hecht und Wels entscheidet im kalten Wasser oft der Zufall, ob du gerade einen hungrigen Fisch erwischst.

Temperaturbereiche aller Arten

Die Tabelle zeigt den Bereich, in dem eine Art am aktivsten ist, und die ungefähren Grenzen ihrer Aktivität nach unten und oben.

ArtUntere GrenzeOptimumObere Grenze
Quappe0,5 °C8–15 °C23 °C
Hecht0,5 °C10–20 °C28 °C
Äsche1 °C10–16 °C21 °C
Dorsch1 °C4–12 °C16 °C
Hering2 °C5–12 °C17 °C
Meerforelle2 °C6–14 °C19 °C
Plattfisch2 °C9–17 °C22 °C
Regenbogenforelle2 °C12–17 °C23 °C
Zander2 °C14–25 °C30 °C
Barsch2 °C15–24 °C31 °C
Bachforelle3 °C10–17 °C22 °C
Döbel3 °C15–22 °C29 °C
Barbe4 °C14–24 °C28 °C
Rapfen4 °C15–22 °C27 °C
Brasse4 °C16–24 °C29 °C
Rotauge4 °C18–26 °C30 °C
Rotfeder4 °C18–24 °C30 °C
Wels7 °C22–27 °C33 °C
Karpfen8 °C20–28 °C33 °C
Makrele8 °C11–17 °C20 °C
Hornhecht8 °C12–18 °C22 °C
Aal9 °C18–26 °C30 °C
Wolfsbarsch9 °C14–22 °C25 °C
Schleie10 °C20–26 °C30 °C

Es sind die Richtwerte, mit denen BiteButler rechnet, abgeleitet aus Labor- und Telemetriestudien. Einzelne Fische und Gewässer weichen davon ab.

Was im Optimum passiert

Innerhalb des Optimums frisst eine Art am meisten. Einige Beispiele aus den Studien:

  • Der Zander hat seinen größten aeroben Spielraum bei etwa 19 °C (Frisk et al. 2012).
  • Der Karpfen frisst am meisten um 24 °C (Oyugi et al. 2012).
  • Die Bachforelle wächst zwischen 3,6 und 19,5 °C, am besten bei etwa 13 °C (Elliott et al. 1995). Ab 12 °C verdoppelt sich ihre Aktivität (Ovidio et al. 2002).
  • Der Rapfen ist oberhalb von 12 bis 15 °C viermal so aktiv wie im Winter.
  • Die Quappe frisst am meisten bei 13 bis 14 °C (Pääkkönen & Marjomäki 2000).

Unter der Grenze: Winterruhe

Unterhalb der unteren Grenze stellen viele Arten das Fressen weitgehend ein. Der Wels frisst unter 12 °C weniger, bei etwa 7 °C hört er auf (Copp et al. 2009). Die Schleie gräbt sich unter 10 °C im Schlamm ein, der Karpfen bildet Winteraggregationen (Bajer et al. 2011). Der Aal hält von Oktober bis April Winterruhe. Hecht und Quappe dagegen fressen bis knapp über 0 °C. Mehr dazu unter Angeln im Winter.

Über dem Optimum: Rückzug ins Tiefe

Zu warmes Wasser bremst ebenso. Der Hecht zieht sich über etwa 21 °C ins kühle Tiefenwasser zurück. Große Hechte stehen im Sommer an der Sprungschicht bei 16 bis 21 °C (Pierce et al. 2013). Die Meerforelle weicht über 15 bis 16 °C in tiefes, durchmischtes Wasser aus (Kristensen et al. 2018), der Dorsch meidet Oberflächenwasser über 15 °C. Die Quappe gerät über 20 °C in eine Stoffwechseldepression und frisst kaum.

Tipp: Miss die Wassertemperatur dort, wo du angelst, und nicht nur an der Oberfläche. An einem warmen Tag kann das Wasser an der Oberfläche deutlich wärmer sein als zwei Meter tiefer.

Schnelle Wechsel zählen mit

Nicht nur die Temperatur selbst, auch ihre Änderung spielt eine Rolle. Eine Kaltfront mit deutlicher Abkühlung kann die Aktivität ein bis zwei Tage drücken, beim Barsch stärker als beim Hecht. Mehr dazu unter Luftdruck und Beißverhalten. Viele Arten laichen außerdem, sobald eine bestimmte Temperatur erreicht ist, die Barbe etwa, wenn das Tagesminimum 13,5 °C erreicht (Baras & Philippart 1999).

So rechnet BiteButler damit

Die Wassertemperatur hat im Aktivitätsindex von BiteButler mehr Gewicht als Luftdruck oder Mond. Für jede Art und Stunde berechnet die App einen Wert von 0 bis 100, und die Temperatur entscheidet, ob eine Art im Optimum, an ihrer Grenze oder außerhalb liegt. Unterschreitet das Wasser die Kälteschwelle einer Art, wechselt die App auf ihr Kältemuster.

Welche Arten bei deiner Temperatur im Bereich sind, zeigt Welche Fische beißen. Für einzelne Temperaturen gibt es eigene Seiten, etwa Angeln bei 6 Grad, 10 Grad, 16 Grad oder 22 Grad. Artbezogen geht es weiter mit Karpfen und Wassertemperatur und Forelle und Äsche. Premium-Nutzer bekommen zusätzlich einen Plan pro Stunde mit Wo, Tiefe, Methode, Köder und Wie, siehe Preise.

Quellen

  • Diana, J. S. (1979). The feeding pattern and daily ration of a top carnivore, the northern pike. Canadian Journal of Zoology 57.
  • Carol, J., Zamora, L. & García-Berthou, E. (2007). Preliminary telemetry data on the movement patterns and habitat use of European catfish in a reservoir. Ecol. Freshw. Fish 16.
  • Frisk, M., Skov, P. V. & Steffensen, J. F. (2012). Thermal optimum for pikeperch and the use of ventilation frequency as a predictor of metabolic rate. Aquaculture 324–325.
  • Oyugi, D. O. et al. (2012). Effects of temperature on the foraging and growth rate of juvenile common carp. J. Therm. Biol. 37.
  • Elliott, J. M., Hurley, M. A. & Fryer, R. J. (1995). A new, improved growth model for brown trout. Funct. Ecol. 9.
  • Ovidio, M. et al. (2002). Seasonal and diel activity of brown trout in a small stream (Aisne). Hydrobiologia 470.
  • Pääkkönen, J.-P. J. & Marjomäki, T. J. (2000). Feeding of burbot at different temperatures. Environ. Biol. Fish. 58.
  • Copp, G. H. et al. (2009). Voracious invader or benign feline? A review of the environmental biology of European catfish. Fish Fish. 10.
  • Bajer, P. G., Chizinski, C. J. & Sorensen, P. W. (2011). Using the Judas technique to locate and remove wintertime aggregations of invasive common carp. Fish. Manag. Ecol. 18.
  • Pierce, R. B. et al. (2013). Depths and thermal habitat used by large versus small northern pike in three Minnesota lakes. Trans. Am. Fish. Soc. 142.
  • Kristensen, M. L. et al. (2018). Temperature and depth preferences of adult sea trout during the marine migration phase. Mar. Ecol. Prog. Ser. 599.
  • Baras, E. & Philippart, J. C. (1999). Adaptive and evolutionary significance of a reproductive thermal threshold in Barbus barbus. J. Fish Biol. 55.

Häufige Fragen

Bei welcher Wassertemperatur beißen Fische am besten?

Das hängt von der Art ab. Der Hecht ist bei 10 bis 20 °C am aktivsten, der Karpfen bei 20 bis 28 °C, der Dorsch bei 4 bis 12 °C. Die Tabelle im Beitrag zeigt alle Arten.

Ab welcher Wassertemperatur beißt der Karpfen?

Unter etwa 10 °C bildet der Karpfen Winteraggregationen und sucht kaum Nahrung. Am höchsten ist seine Fressrate um 24 °C (Oyugi et al. 2012).

Warum beißen Fische bei Hitze schlecht?

Über ihrem Optimum geraten viele Arten unter Stress und ziehen sich in kühles Tiefenwasser zurück, der Hecht etwa über 21 °C, die Meerforelle über 15 bis 16 °C. Die Quappe frisst über 20 °C kaum noch.

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